METHODE

"Geführtes Lernen - guided learning" beschäftigt sich seit Ende des Schuljahres 2006/2007 mit einer neuen Unterrichtsform im fachtheoretischen Unterricht, bei der die Schülerselbsttätigkeit und Eigenverantwortlichkeit erhöht werden soll, in Anlehnung an den Dalton-Plan von Helen Parkhurst.
Durch das Anbieten von definierten Methoden (ähnlich dem Scaffolding) sollen sich die Schüler/innen aktiv in den Unterricht einbringen und Verantwortung für die eigene Leistung - sprich Beurteilung - übernehmen.

ENTWICKLUNG

Das Unterrichtsmodell "Geführtes Lernen" wurde nach einer Idee von Robert Murauer im Schuljahr 2006/07 entworfen und versuchsweise in zwei Klassen eingesetzt. In der unterrichtsfreien Zeit (sprich Sommerferien 2007) wurde das Grundkonzept weiter entwickelt und im Schuljahr 2007/08 bei IMST (Innovationen Machen Schule Top, eine Initiative des bm:ukk) zur Förderung eingereicht und genehmigt.
IMST-Projekte haben grundsätzlich einen klar erkennbaren Bezug zum Unterricht in der Primär- oder Sekundarstufe in einem/mehreren der folgenden Gegenstände: Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik und verwandten Fächern (Ernährung, Technik,...). IMST-Projekte können einerseits dazu dienen, dass Lehrende an der Veränderung/Verbesserung des eigenen Unterrichts arbeiten. Andererseits sind auch Schulentwicklungsvorhaben als IMST-Projekte einreichbar.
In jedem Fall sollte das eigene Tun reflektiert werden. Jedes IMST-Projekt wird mit der Abgabe eines Endberichts abgeschlossen. In diesem Bericht geht es vor allem darum, die im Projekt gemachten Erfahrungen so zu dokumentieren, dass andere Lehrende aus den Erfahrungen Nutzen ziehen können.

In der jetzigen Zeit wird von vielen Personen eine Paradigmenwechsel eingefordert - Weg vom Frontalunterricht und hin zu neuen Lehr- und Lernformen. Wir wollten schon jetzt einen Beitrag zur Veränderung liefern und haben unsere Unterrichtsmethode - so weit dies im Berufsschulunterricht möglich ist - umgestellt und versuchen uns ständig weiter zu entwickeln. In einem Interview mit dem Standard (27.08.2009) sagte der Zukunftsforscher Matthias Horx:

"..... Zweitens muss die Frontalität im Unterricht zunehmend aufgelöst werden. Man muss eine Pädagogik entwickeln, in der der Lehrer nicht immer nur alles weiß und die Schüler alles auswendig lernen. Es geht um Selbstlernen, um die Entwicklung von Kreativität. Die Frage der neuen Pädagogik läuft ja darauf hinaus, wie man Neugier als Motiv in den Schulen verankern kann. Drittens brauchen wir eine Lehrerfortbildung, die deutlich anders ist, als das bis jetzt der Fall ist. Da gibt es wunderbare Beispiele aus anderen Ländern, vor allen Dingen in Kanada. Dort gibt es keinen Lehrer, der seinen Unterricht nicht innerhalb kürzester Zeit wieder neu erfindet und versucht zu verändern. Hierzulande ist es oft noch so: Man hat einen pädagogischen Abschluss und dann zieht man das, was man während des Studiums gelernt hat - oder eben nicht gelernt hat - den Rest der Berufspraxis, durch. Das kann nicht funktionieren. Kein Unternehmen arbeitet heute so. Schulen und Lehrer müssen selbst ebenso weiterlernen wie die Schüler."

IMST-Bericht (ID925) aus dem Schuljahr 2007/2008 als Download

IMST-Bericht (ID1341) aus dem Schuljahr 2008/2009 als Download

LOGO

Seit 2007 gibt es das Unterrichtsmodell "Geführtes Lernen" und aufgrund den Evaluationsergebnissen, den Feedbacks und unserer Webstatistik sehen wir, dass auch Interesse daran besteht. Da sich der Begriff "Geführtes Lernen" in unserer Schule als "Marke" entwickelt hat, wollten wir natürlich diesen auch bildlich darstellen. Nach verschiedenen Entwürfen ist schlussendlich die Entscheidung für neben stehendes Logo gefallen.

Die Farbe "Orange" wurde ausgewählt, weil sie Öffnung, aktive Ausdehnung und kreative Entfaltung widerspiegelt. Orange vermittelt inneres Brennen und Dynamik und im Buddhismus ist Orange die Farbe der Erleuchtung. Die orangen Pfeile sollen das "Geführte" bzw. das Leiten darstellen, wobei ein kompaktes Ganzes symobilisiert werden soll, ohne jedoch geschlossen zu sein - also auch offen für Neues.
Der graue Haken soll das Verstehen bzw. Wissen darstellen - quasi "diesen Punkt kann man abhaken"

PRESSESTIMMEN

Zu erwähnen wären auch zwei Veröffentlichungen über uns, in den pädagogischen Fachzeitschriften Wissenplus (Ausgabe 03 2009/10) vom Manz-Verlag und Folio (Ausgabe 04/2010) der Berufsbildung Schweiz. Besonders freut es uns, dass man im Ausland auf uns aufmerksam geworden ist und unsere Bemühungen einem breiteren Publikum vorgestellt wurden.

Wenn Sie auf das Logo klicken, so können Sie den Bericht als PDF-Datei öffnen:

ZIELE

Das Modell "Geführtes Lernen - guided learning" hat sich folgende Ziele gesetzt:

  • Neugestaltung des Unterrichts
  • Erhöhung der Schülerselbsttätigkeit unter vorgegebenen Rahmenbedingungen
  • Transparente und einheitliche Notengebung 
  • Forcierung von Schlüsselqualifikationen der Schüler/innen
  • Aufwertung des Fach- und Tabellenbuchs im Unterricht
  • Anwendung verschiedener Methoden durch die Schüler/innen anhand eines Methodenführerscheines
  • Steigerung der Motivation zur Mitarbeit durch einen internen Wettbewerb, hervorgerufen durch ein Zertifikat
  • Entwicklung nicht nur von Methoden, sondern auch von den dazugehörigen Werkzeugen (Formulare, Software, ....)
  • Permanente Evaluierung des Modells

ZENTRALE ELEMENTE

Die oben angeführte Ziele sollen durch vier zentrale Elemente erreicht werden. Diese wären:

1. Methodenführerschein mit Reflexionsblatt

Der/die Schüler/in erhält zu Beginn des Lehrganges ein Reflexionsblatt, bei dem er/sie

  • die anzuwendenden Methoden ersehen kann
  • die Themen des Lehrganges ersehen kann
  • die Test- und Prüfungstermine einzutragen hat
  • sein/ihr Ziel (Endnote) mit sich vereinbaren muss
  • seine/ihre in der Mitarbeit und bei Leistungsfeststellungen erhalten Punkte eintragen muss
  • seinen/ihren momentanen Leistungsstand ablesen kann
  • die Berechnung der Endnote durchführen kann
  • Lerntipps erhält

Durch den Methodenführerschein sollen auch die verschiedenen Lerntypen angesprochen werden.

2. Wissenskatalog

Der Wissenskatalog (ehemals Fragenkatalog) dient zur Vertiefung, Wiederholung und als Stoffsicherung. Die Fragenstellungen im Katalog sind genau dem Inhaltsverlauf des Fachbuches angepasst, weiter vertiefende Fragen können dem strukturierten Übersichtsblatt entnommen werden. Darüber hinaus berücksichtigt die Ausarbeitung des Wissenskatalogs folgende Aspekte:

  • dem unterschiedlichen Lerntempo der Schüler/innen gerecht zu werden. Bei einem frontalen Unterricht müssen die Schüler/innen dem Tempo des Lehrers folgen
  • Rücksichtnahme auf die unterschiedliche Tagesverfassung. Jeder Schüler und jede Schülerin ist nicht am gleichen Tag, zur selben Zeit gleich aufnahmefähig
  • Kontinuität im Lernprozess auch bei Supplierungen
  • Vermeidung von Unsicherheiten und Überraschungen bei Prüfungssituationen

Die Ausarbeitung des Wissenskataloges kann als Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit erfolgen. Prinzipiell sollen sich die Schüler/innen selbst organisieren, d.h. sie sollen sich selber aussuchen können, ob sie alleine oder mit Partner/in oder in Gruppen zusammenarbeiten.
Zur Kontrolle, ob alles richtig ausgearbeitet wurde, liegt ein Lösungsordner mit den Antworten auf. Die Schüler/innen sollen daher eigenverantwortlich ihre Arbeit kontrollieren. Die "Ausrede", dass die Fragen nicht richtig ausgearbeitet sind, ist& daher nicht mehr möglich. Weiters stehen den Schüler/innen die Wissenskataloge - samt Antworten - auf unserer Homepage zur Verfügung, so dass die Kontrolle auch von zuhause aus erfolgen kann und nicht nur auf den Unterricht beschränkt ist.

3. Strukturierten übersichtsblätter

Oftmals haben Schulbücher den Nachteil, dass die Bebilderung nicht in der gleichen Höhe wie der Text steht. Die strukturierten übersichtsblätter (in Form eines Baumdiagramms) sollen den linear dargebrachten Inhalt des Buches besser darstellen. Die strukturierten übersichtsblätter sollen zu besseren Leistungen führen (vgl. Werner METZIG, Lernen zu lernen, 2006, Seite 109). Empirisch wurde nachgewiesen, dass das Lernen mit solchen Begriffshierachien dreimal so erfolgreich ist, wie das bloße Einprägen von Einzelheiten (vgl. Herbert GUDJON, Frontalunterricht - neu entdeckt, 2007, Seite 102).

Die strukturierten übersichtsblätter versuchen ein Thema auf einem Blatt strukturiert - und mit Bildern unterstützt - zu gliedern und die wesentlichen Punkte zu vermitteln. Der Inhalt des Buches soll somit besser einordbar sein. Da sie bereits ausgefüllt sind - ein bloßes Transferieren von Text erscheint uns nicht als sinnvoll - wird wertvolle Zeit eingespart , z.B. für die Ausarbeitung des Wissenskatalogs oder der Anwendung verschiedener Methoden (Fehlerdetektiv, Kreuzworträtsel,..) . Auf Mind-Maps wurde aus verschiedensten Gründen - z.B. hoher zeichnerischer Aufwand, Farbverlust beim Kopieren, schwierige Lesbarkeit bei ungeübten Schüler/innen etc. - verzichtet.

4. Leistungsbeurteilung

Beim Geführten Lernen wurde versucht, die gesetzlichen Vorgaben der Leistungsbeurteilungsverordnung nahezu vollständig zu erfüllen. Die Gesamtnote (Endnote) setzt sich aus der besonderen Leistungsfeststellung (LBVO §5 - §10), Test und Prüfungen und der Mitarbeit (LBVO §4) zusammen. Für die einzelnen Leistungen werden Punkte vergeben. Die Gesamtpunkte ergeben am Ende des Lehrgangs eine Note. Da der Gesetzgeber der Mitarbeit einen hohen Stellenwert einräumt (LBVO §3 Abs.3) liegt ungefähr die Hälfte der Gewichtung bei der Mitarbeit. Mit dieser Gewichtung soll auch sichergestellt werden, dass Schüler/innen sich während des Unterrichtes einbringen und nicht nur punktuell lernen - eine Kontinuität des Lernprozesses soll auf diesem Wege gewährleistet werden.

  • Die besondere Leistungsfeststellung erfolgt wie bisher mittels Test und auf Wunsch des Schüler bzw. Schülerin auch mittels einer mündlichen Prüfung. Die dabei erreichten Punkte bzw. Note wird in das Punktesystem transferiert.
  • Die Mitarbeitsnote wird mit Punkten ermittelt, wobei es Pflichtbereiche und Bereiche gibt, die freiwillig erarbeitet werden können. Gestartet wird mit einem Vertrauensbonus von 50 Punkten. Durch die Pflichtaufgaben oder der freiwilligen Erarbeitung kann sich dieser Bonus, je nach Kategorie, bei Erfolg erhöhen oder bei Misserfolg verringern.

Zentrales Element ist der Methodenführerschein, bei dem unterschiedliche Möglichkeiten zur Mitarbeit angeboten werden:

- spontane überprüfung des Wissens (Mitarbeitskontrolle)
- Zusammenfassung und Wiedergabe eines Fachtextes
- Zusammenfassung und Wiedergabe eines Fachvideos
- Erfüllung von Arbeitsaufträgen (Hausübungen,....)
- Aktives Einbringen in den Unterricht
- Präsentation eines Fachthemas

Bei positiver Erledigung aller Methoden erhält der Schüler bzw. die Schülerin am Ende des Lehrganges zusätzlich ein Zertifikat. Das Musterzertfikat steht Ihnen als Download zur Verfügung:

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